Rückruf trainieren mit dem Briard
Ein sicherer Rückruf ist beim Hütehund die Eintrittskarte in den Freilauf. So baust du ihn in Stufen auf, mit Schleppleine und guter Belohnung.
Ein zuverlässiger Rückruf entsteht nicht durch Rufen, sondern durch Training in kleinen Stufen. Du verknüpfst ein eigenes Signal mit einer richtig guten Belohnung, übst zuerst ohne Ablenkung und steigerst die Schwierigkeit erst, wenn die Stufe davor sicher sitzt. Bis dein Briard auch bei Joggern, Radfahrern und Wild kommt, sichert eine Schleppleine den Freilauf.
Beim Briard ist der Rückruf besonders wichtig, weil Hütehunde stark auf Bewegung reagieren. Ein Briard, der einen Radfahrer fixiert, hört in diesem Moment schlecht. Der Rückruf ist deshalb eng mit dem Thema Hütetrieb umlenken verbunden. Die allgemeinen Grundsätze der Erziehung stehen im Bereich Erziehung.
Warum der Rückruf beim Briard eine eigene Herausforderung ist
Briards sind eng an ihre Menschen gebunden und entfernen sich im Freilauf oft nicht weit. Das täuscht viele Halter darüber hinweg, dass der Rückruf in Reizsituationen trotzdem fehlen kann. Drei Gründe machen ihn anspruchsvoll:
- Bewegungsreize: Jogger, Radfahrer, rennende Hunde und Wild lösen Hüte- oder Jagdverhalten aus. Der Hund ist dann in einem Zustand hoher Erregung.
- Eigenständigkeit: Briards wurden gezüchtet, um auf großer Fläche selbst Entscheidungen zu treffen. Sie wägen ab, ob sich das Kommen lohnt.
- Pubertät: Zwischen etwa sechs Monaten und zwei Jahren testen viele Junghunde Grenzen. Ein Rückruf, der beim Welpen perfekt war, kann dann wieder bröckeln.
Das Rückrufsignal wählen
Wähle ein Signal, das du im Alltag sonst nicht benutzt. „Komm“ und der Name sind oft schon verbraucht, weil sie hundertfach ohne Folgen gerufen wurden. Gut geeignet sind ein eigenes Wort wie „Hier“ oder „Zu mir“, ein Pfiff mit der Hundepfeife oder beides.
Wichtig für das Signal:
- Immer gleich: gleiches Wort, gleicher Ton, von allen in der Familie gleich verwendet.
- Nur einmal: Das Signal wird nicht wiederholt. Wer fünfmal ruft, bringt dem Hund bei, dass erst das fünfte Mal zählt.
- Immer positiv: Nach dem Signal passiert für den Hund immer etwas Gutes. Nie rufst du ihn, um ihn zu bestrafen, ins Bad zu bringen oder etwas Unangenehmes zu tun.
Die Belohnung: Kommen muss sich lohnen
Die Belohnung entscheidet, ob dein Briard beim nächsten Mal kommt. Gerade bei starker Ablenkung konkurriert sie mit dem Reiz, den der Hund gerade verlässt. Ein trockenes Leckerli reicht dann selten. Teste, was dein Hund wirklich liebt:
| Belohnung | Gut geeignet für |
|---|---|
| Weiches, besonders schmackhaftes Futter wie Käse oder Fleischwurst in kleinen Stücken | Aufbau und schwierige Situationen |
| Futtertube oder Leberwursttube | lange Belohnung, der Hund bleibt nah bei dir |
| Ein Futterbeutel, den du wirfst | Hunde, die gern hetzen und Beute machen |
| Zerrspiel mit einem Lieblingsspielzeug | spielfreudige Hunde |
| Erlaubnis, danach wieder loszulaufen | Hunde, die vor allem Freiheit wollen |
Rechne große Mengen an Leckerlis in die Tagesration ein. Für den Rückruf darf es trotzdem großzügig sein, gerade in der Aufbauphase.
Der Aufbau in fünf Stufen
Stufe 1: das Signal aufladen
Zuhause, ohne jede Ablenkung: Sag das Signal und gib sofort eine besonders gute Belohnung, ohne dass der Hund etwas tun muss. Wiederhole das an mehreren Tagen jeweils einige Male. So lernt dein Briard, dass das Signal etwas Großartiges ankündigt.
Stufe 2: kurze Distanz drinnen
Jetzt rufst du, wenn der Hund ein paar Meter entfernt ist und nichts Spannendes tut. Kommt er, belohnst du ihn bei dir, am besten mit einem kurzen Griff ans Geschirr. So gewöhnt er sich daran, dass Kommen auch Festhalten bedeuten kann, ohne dass es unangenehm wird.
Stufe 3: draußen an der Schleppleine
Mit Brustgeschirr und Schleppleine übst du an ruhigen Orten. Ruf nur, wenn der Hund gerade nicht abgelenkt ist, zum Beispiel wenn er schnüffelt und sich gerade umdreht. Ziel ist eine hohe Erfolgsquote, denn jeder gelungene Rückruf stärkt das Signal.
Stufe 4: Ablenkung langsam steigern
Erst wenn der Rückruf an ruhigen Orten fast immer klappt, kommt Ablenkung dazu: andere Spaziergänger in großer Entfernung, ein ruhiger Hund auf der anderen Wiesenseite, später eine Helferin, die langsam joggt. Bei jedem neuen Reiz gehst du in der Distanz wieder einen Schritt zurück.
Stufe 5: Freilauf mit Augenmaß
Wenn der Rückruf an der Schleppleine auch bei Ablenkung sitzt, kannst du die Leine zunächst am Boden schleifen lassen und später an übersichtlichen, erlaubten Orten auf sie verzichten. Bleib dabei aufmerksam: Wer den Reiz vor dem Hund sieht, kann rechtzeitig rufen.
Die Schleppleine richtig nutzen
Die Schleppleine ist kein Notbehelf, sondern das wichtigste Werkzeug beim Rückruftraining. Sie verhindert, dass dein Hund unerwünschtes Verhalten erfolgreich ausprobiert.
- immer am gut sitzenden Brustgeschirr befestigen, nie am Halsband
- eine Länge wählen, die du sicher handhaben kannst, für viele Einsteiger reichen fünf bis zehn Meter
- die Leine nie um Hand oder Finger wickeln, bei längeren Leinen Handschuhe tragen
- bei nassem Wetter eine Leine aus beschichtetem Material wählen, die sich nicht vollsaugt
- auf Wegen mit anderen Menschen die Leine aufnehmen, damit niemand stolpert
Beim langhaarigen Briard verfängt sich eine schleifende Leine gern im Fell der Beine. Kontrolliere nach dem Spaziergang Achseln und Hinterläufe auf Verfilzungen an den Scheuerstellen des Geschirrs.
Notfallrückruf und Abbruchsignal
Zusätzlich zum normalen Rückruf lohnt ein Notfallsignal, etwa ein Doppelpfiff, das du ausschließlich mit der besten Belohnung verbindest und nur selten einsetzt. Ebenso hilfreich ist ein Stoppsignal, auf das der Hund an Ort und Stelle stehen bleibt oder sich hinlegt. Bei einem Hund, der auf der anderen Straßenseite steht, ist Stopp oft sicherer als Kommen. Im Hütetraining mit Schafen wird genau dieses Stoppen auf Distanz ohnehin gebraucht.
Typische Fehler
- Rufen, wenn der Hund schon weg ist: Ein Hund im vollen Lauf auf einen Reiz zu kommt kaum zurück. Lieber früher rufen oder gar nicht und stattdessen an der Leine sichern.
- Rückruf als Spielende: Ruft man den Hund nur, um anzuleinen und nach Hause zu gehen, lernt er, dass Kommen den Spaß beendet. Ruf ihn häufiger zwischendurch, belohne und schick ihn wieder los.
- Schimpfen bei verspätetem Kommen: Der Hund verknüpft die Strafe mit dem Ankommen, nicht mit dem Trödeln.
- Zu schnell steigern: Wer nach einer guten Woche direkt im Wildgebiet übt, riskiert Rückschläge.
- Unterschiedliche Signale in der Familie: Einigt euch auf ein Wort und einen Ablauf.
Freilauf und Regeln vor Ort
Auch ein perfekter Rückruf erlaubt nicht überall Freilauf. Je nach Bundesland, Gemeinde und Gebiet gelten Leinenpflichten, etwa in Naturschutzgebieten, in Parks oder in bestimmten Zeiten des Jahres zum Schutz von Wild und Bodenbrütern. Informiere dich bei deiner Gemeinde, welche Regeln bei dir gelten.
Ein sicherer Rückruf ist außerdem die Grundlage für fast jeden Hundesport, vom Hüten bis zum Mantrailing. Welche Beschäftigungen zu deinem Briard passen, zeigt der Bereich Auslastung und Hundesport.
Quellen
- Allgemeine Grundlagen der Lerntheorie in der Hundeerziehung (klassische Konditionierung, positive Verstärkung)
- Landeshundegesetze und kommunale Regelungen zur Leinenpflicht (je nach Region unterschiedlich)
Fragen und Antworten
- Wie lange dauert es, bis der Rückruf beim Briard sitzt?
- Das ist sehr unterschiedlich. Die Grundlage im ruhigen Umfeld steht oft nach wenigen Wochen. Bis ein Hütehund auch bei starker Ablenkung wie rennenden Hunden oder Wild zuverlässig kommt, vergehen häufig Monate. In der Pubertät wackelt der Rückruf bei vielen Junghunden wieder, dann hilft die Schleppleine.
- Pfeife oder Wort: Was ist besser für den Rückruf?
- Beides funktioniert. Eine Hundepfeife klingt immer gleich, ist weit hörbar und verrät keine Aufregung in der Stimme. Ein Wort hast du immer dabei. Viele Halter bauen beides auf: ein Wort für den Alltag und die Pfeife als Notfallsignal, das nur mit der allerbesten Belohnung verknüpft wird.
- Darf mein Briard an der Schleppleine am Halsband laufen?
- Besser nicht. Rennt der Hund in die Schleppleine, wirkt der Ruck am Halsband direkt auf Hals und Wirbelsäule. Ein gut sitzendes Brustgeschirr verteilt die Kraft. Fass die Schleppleine nie um die Hand gewickelt und trage bei langen Leinen Handschuhe.
- Was tun, wenn der Briard beim Rückruf nicht kommt?
- Nicht hinterherrennen und nicht mehrfach rufen. Geh in die Gegenrichtung, mach dich interessant oder geh in die Hocke. Kommt der Hund dann, wird er trotzdem belohnt, nie bestraft. Danach übst du wieder auf einer leichteren Stufe und sicherst den Freilauf, bis das Signal zuverlässig klappt.
Weiterlesen
- Erziehung
Sozialisierung, Grundgehorsam, Hütetrieb und Hundeschule: wie du deinen Briard vom Welpen zum entspannten Begleiter erziehst.
- Hütetrieb umlenken
Umkreisen, Anstupsen, Fersenzwicken: wie du Hüteverhalten im Alltag erkennst, sicher unterbrichst und in erlaubte Aufgaben lenkst.
- Auslastung und Hundesport
Spaziergänge, Kopfarbeit, Hüten, Agility, Obedience und Mantrailing: wie du deinen Briard körperlich und geistig sinnvoll auslastest.
Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Briardworld.