Doppelte Afterkralle beim Briard: was es damit auf sich hat
Zwei zusätzliche Zehen an jedem Hinterlauf: warum der Standard sie verlangt, wie du sie pflegst und was bei Verletzungen hilft.
Der Briard trägt an jedem Hinterlauf zwei Afterkrallen. Das sind zwei zusätzliche Zehen mit eigener Kralle, die an der Innenseite des Laufs dicht über dem Fuß sitzen. Der FCI-Standard verlangt sie ausdrücklich, und ein Briard mit nur einer oder ganz ohne Afterkralle hinten ist von Zucht und Ausstellung ausgeschlossen. Für dich als Halterin oder Halter heißt das vor allem: Diese Krallen laufen sich nicht ab und brauchen regelmäßige Pflege.
Diese Seite erklärt, was die doppelte Afterkralle ist, warum sie zum Briard gehört, wie du sie pflegst und was bei Verletzungen zu tun ist. Den Gesamtüberblick über Körperbau, Fell und Farben findest du im Rasseporträt.
Was ist eine Afterkralle?
Eine Afterkralle, auch Wolfskralle genannt, ist eine Zehe an der Innenseite des Laufs, die beim Stehen den Boden nicht berührt. An den Vorderläufen haben fast alle Hunde eine Afterkralle, sie entspricht ungefähr dem Daumen. An den Hinterläufen fehlt sie bei den meisten Hunden, bei manchen tritt sie einzeln auf, oft nur locker mit Haut verbunden.
Beim Briard ist das anders. Hier gehören zwei Afterkrallen an jeden Hinterlauf. Der Standard beschreibt sie als zwei deutlich ausgebildete Zehen mit Kralle, die ziemlich nahe am Fuß angesetzt sind. Je näher sie am Fuß sitzen, desto besser entspricht das dem Standard.
| Position | Beim Briard | Bei vielen anderen Rassen |
|---|---|---|
| Vorderläufe | je eine Afterkralle | je eine Afterkralle |
| Hinterläufe | je zwei Afterkrallen, Pflicht laut Standard | meist keine, teils einzeln |
| Bewertung im Standard | einfache oder fehlende Afterkralle hinten ist disqualifizierend | unterschiedlich je nach Standard |
Warum der Standard sie verlangt
Der FCI-Standard Nr. 113 begründet die doppelten Afterkrallen mit der Tradition. Bei den französischen Hütehunden des Flachlands waren sie verbreitet, und die Züchter haben dieses Merkmal bewusst erhalten. Auch der Beauceron, der nächste Verwandte des Briards, trägt doppelte Afterkrallen an den Hinterläufen. Wie sich die beiden Rassen sonst unterscheiden, zeigt der Vergleich Briard vs. Beauceron.
Oft liest man, die zusätzlichen Zehen hätten den Hunden bei der Arbeit im unebenen Gelände Halt gegeben. Belegt ist das nicht. Sicher ist nur: Die doppelte Afterkralle ist ein Rassemerkmal, das bei Ausstellungen und Zuchttauglichkeitsprüfungen kontrolliert wird. Wie diese Bewertungen ablaufen, erklärt die Seite Vereine, Ausstellungen und Treffen.
Entfernen ist keine Option
In manchen Ländern und bei manchen Rassen werden Afterkrallen bei Welpen früh entfernt. Für den Briard kommt das nicht infrage. Zum einen würde ein Hund ohne doppelte Afterkrallen hinten nicht mehr dem Standard entsprechen. Zum anderen verbietet das deutsche Tierschutzgesetz das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen, wenn kein tierärztlicher Grund vorliegt. Eine Amputation kommt also nur infrage, wenn eine Afterkralle schwer verletzt oder erkrankt ist und die Tierarztpraxis das für notwendig hält.
Afterkrallen pflegen
Weil die Afterkrallen den Boden nicht berühren, nutzen sie sich beim Laufen nicht ab. Sie wachsen weiter, krümmen sich und können im schlimmsten Fall in den Ballen oder die Haut einwachsen. Das ist schmerzhaft und kann sich entzünden. Unter dem langen Fell siehst du das oft erst spät.
Kontrolle bei jeder Fellpflege
Nimm dir bei jeder Bürstsession einen Moment für die Hinterläufe. Schieb das Fell beiseite und taste beide Afterkrallen ab:
- Ist die Kralle zu lang oder beginnt sie sich zu krümmen?
- Drückt die Spitze schon in die Haut?
- Sind Kralle und Zehe fest, oder wackelt etwas?
- Ist die Haut rundherum gerötet, warm oder feucht?
- Hat sich Filz zwischen den Zehen gebildet?
Gerade Filz ist ein häufiges Problem. Das Haar rund um die Afterkrallen verknotet leicht und kann die Zehen zusammenziehen. Kürze das Fell dort vorsichtig mit einer abgerundeten Schere und kämme die Stelle regelmäßig aus. Wie du das Fell insgesamt in Schichten pflegst, steht in der Anleitung Briard bürsten und im Bereich Fellpflege.
Krallen kürzen Schritt für Schritt
- Werkzeug bereitlegen: eine scharfe Krallenzange oder einen Krallenschleifer, dazu blutstillendes Puder und Leckerlis.
- Bequem lagern: Für die Hinterläufe liegt ein Briard am besten auf der Seite. Viele Hunde finden das entspannter als Stehen.
- Lebendes Gewebe erkennen: In jeder Kralle verläuft ein durchbluteter Kern, das sogenannte Leben. Bei hellen Krallen siehst du es als rosa Bereich, bei dunklen Krallen meist nicht. Schneide dann lieber mehrmals nur ein kleines Stück.
- Kurz und gerade schneiden: Nimm jeweils nur die Spitze ab und arbeite dich langsam vor. Mit einem Schleifer kannst du die Kante danach glätten.
- Belohnen: Lob und Leckerli nach jeder Kralle machen die Pflege für den Hund angenehmer.
Wenn du unsicher bist, lass dir das Kürzen in der Tierarztpraxis oder bei einer Hundefriseurin zeigen. Übe die Berührung der Pfoten schon beim Welpen, dann ist die Pflege später kein Kampf.
Wie oft?
Eine feste Regel gibt es nicht, weil Krallen unterschiedlich schnell wachsen. Viele Halter kontrollieren die Afterkrallen bei jeder Fellpflege und kürzen sie im Abstand von einigen Wochen. Bei älteren Hunden, die sich weniger bewegen, wachsen alle Krallen gefühlt schneller, weil sie sich weniger abnutzen.
Verletzungen an der Afterkralle
Afterkrallen können beim Toben, im Unterholz oder beim Sprung aus dem Auto hängen bleiben und einreißen. Die doppelte Afterkralle ist dabei nicht zwingend gefährdeter als eine einzelne, wenn sie gut anliegt und kurz gehalten wird. Lange, abstehende Krallen bleiben dagegen leichter hängen.
Woran du eine Verletzung erkennst
- Der Hund hinkt plötzlich oder hebt einen Hinterlauf an.
- Er leckt auffällig an der Innenseite des Laufs.
- Es tritt Blut aus, oder das Fell an der Stelle ist feucht und verklebt.
- Die Kralle steht in einem ungewohnten Winkel ab oder wackelt.
Erste Hilfe
Bleib ruhig und halte den Hund ruhig. Drück bei einer Blutung eine saubere Kompresse auf die Stelle, bis es nachlässt. Bei kleinen Blutungen aus der Krallenspitze, etwa nach einem zu kurzen Schnitt, hilft blutstillendes Puder. Ist die Kralle eingerissen oder abgerissen, blutet sie stark oder hat der Hund deutliche Schmerzen, fahr in die Tierarztpraxis. Eine verletzte Kralle kann sich entzünden, und manchmal muss der beschädigte Teil fachgerecht entfernt werden. Weitere Gesundheitsthemen des Briards findest du im Bereich Gesundheit.
Afterkrallen und Hundesport
Wer mit dem Briard Agility, Hüten oder lange Wanderungen macht, sollte die Afterkrallen vor jeder größeren Belastung kontrollieren. Kurze, gut anliegende Krallen bleiben seltener an Geräten, Zäunen oder im Gestrüpp hängen. Nach dem Training lohnt ein kurzer Blick, ob sich eine Kralle gelockert hat oder die Haut gerötet ist. Manche Halter nutzen bei sehr rauem Gelände Pfotenschutz, der die Hinterläufe mit abdeckt. Das muss gut sitzen und darf nicht scheuern, sonst entstehen genau dort Druckstellen. Wichtig ist auch das Fell: Lange Haare zwischen den Zehen und um die Afterkrallen sammeln Kletten, Sand und Eisklumpen im Winter. Halte diese Partien kurz, damit dein Hund sicher läuft und sich nichts festsetzt.
Was Welpenkäufer prüfen können
Bei einem Briard-Welpen aus einer Vereinszucht sind die doppelten Afterkrallen in der Regel vorhanden, sie werden bei der Wurfabnahme begutachtet. Wenn du einen Welpen besuchst, kannst du sie dir zeigen lassen. Bei einem Hund ohne doppelte Afterkrallen hinten oder mit nur einer Afterkralle handelt es sich entweder um einen Hund mit Standardfehler, der nicht in die Zucht soll, oder um einen Hund, bei dem ein Briard nur ein Teil der Abstammung ist. Für einen Familienhund ist das kein Gesundheitsproblem, aber eine Information, die zum Preis und zur Beschreibung passen sollte.
Quellen
- FCI-Standard Nr. 113 Berger de Brie (Briard), Abschnitte Hinterhand und Fehler
- FCI-Standard Nr. 44 Berger de Beauce (Beauceron), Abschnitt Hinterhand
- Tierschutzgesetz (TierSchG), § 6 zum Amputationsverbot
Fragen und Antworten
- Wozu hat der Briard doppelte Afterkrallen?
- Der Standard begründet sie mit der Tradition der französischen Hütehunde. Ob sie bei der Arbeit einen praktischen Nutzen haben, ist nicht belegt. Sie gelten als Rassemerkmal, das bei der Zucht erhalten wird, ähnlich wie beim verwandten Beauceron.
- Sollte man die Afterkrallen beim Briard entfernen?
- Nein. In Deutschland verbietet das Tierschutzgesetz das Amputieren von Körperteilen, wenn keine tierärztliche Indikation vorliegt. Ein vorsorgliches Entfernen gesunder Afterkrallen ist deshalb nicht erlaubt. Außerdem würde ein Briard ohne doppelte Afterkrallen hinten nicht dem Standard entsprechen.
- Wie oft muss ich die Afterkrallen kürzen?
- Das hängt vom Wachstum ab. Viele Halter kontrollieren die Afterkrallen bei jeder Fellpflege und kürzen sie alle paar Wochen. Spätestens wenn sich die Kralle zu krümmen beginnt oder beim Laufen hörbar hängen bleibt, ist es Zeit.
- Was tun, wenn die Afterkralle blutet?
- Drück mit einer sauberen Kompresse auf die Kralle, bis die Blutung nachlässt, und halte den Hund ruhig. Ist die Kralle abgerissen, eingerissen oder blutet sie stark, gehört der Hund in die Tierarztpraxis, weil der Krallenbereich gut durchblutet ist und sich entzünden kann.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Briardworld.